Applaudierende Schirme

Staunend verfolgten Kursmonauten, wie Wendelin Wiedeking zu ungezählten Regenschirmen sprach. Etwas Neid war auch dabei, denn wer bekommt schon eine solche Gelegenheit geboten?

Wir jedenfalls nicht. Doch ich schweife ab. Eindrucksvoll war nicht nur der Appell an die vielen des Sprechens unkundigen Schirme, die sich offensichtlich durch Farben und Muster verständlich machten. Nein, eindrucksvoll war auch die Einheit zwischen dem Millionenmann und den Schirmen. Das erinnerte an Karl Eick, der krawattenlos ein herumliegendes Megaphon ergriff, die Ärmel seines weißen Hemdes hochkrempelte, eine Leiter bestieg und einer verzweifelten Belegschaft Mut zusprach. Das erinnerte an Maria Elisabeth Schaeffler, die sich ihrer Tränen nicht schämte.

Verblüffend, es war kein Zorn. Nirgends.

Auch in Zuffenhausen nicht. Dabei versuchte sich doch ein kerngesundes Unternehmen als Heuschrecke, verschuldete sich milliardenfach und scheiterte grandios.

Statt dessen Applaus. Ich verstehe das nicht.

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Haiku der Woche

Hirsche röhren. Brunft.

Geweih kracht an Geweih! Knirsch!

Wendelin tritt ab.

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Rocky als Vor- und Sinnbild

Wieder einmal wurde ein Kursmonaut eines Abends in trauter Runde gefragt, wie es denn der deutschen Wirtschaft gehe. Ja, wie geht es ihr bloß?

Einem Boxer gleich, der fürchterlich und mehrfach auf die Nase bekommen hat, danach vom übellaunigen Gegner schwungvoll aus dem Ring geworfen wurde und laut scheppernd überaus hart und schmerzvoll landete, bleibt sie zunächst auf dem ungefegten Boden liegen.  Das ist nicht angenehm, aber unausweichlich. Jeder Knochen tut weh, einige sind gebrochen, die Ohren klingeln, die Nase blutet und die Übelkeit fordert ihr Recht. Stöhnen, Ächzen, Jammern. Während der gnadenlose Gegner auf dem Boxer herumtrampelt, wächst langsam die Erkenntnis, dass es wohl nicht schlimmer kommen kann. Das nennt der Finanzfachmann übrigens Bodenbildung.

Hier eine Interpretation dieses Sachverhalts durch keinen geringeren als Rocky, der uns freundlicherweise den weiteren Weg weist.

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Haiku der Woche

Ewiger Kreislauf.

Fressen. Gefressen werden.

Piech hat Hunger.

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Berlin, Labor des Postkolonialismus

Barack Obama eilte vom G8-Gipfel flugs nach Ghana. Deshalb blickten einige, die es sonst eher nicht so häufig tun, in Richtung des vom Kolonialismus geplagten Kontinents. Unter den Blickenden waren sicher auch Berliner – davon mindestens ein Kursmonaut. Dieser senkte den Blick zwar wieder, als er im Freien einen Kaffee trank und den Tagesspiegel las. Doch der Kolonialismus holte ihn bereits auf der ersten Seite wieder ein, als Harald Martenstein einen Wissenschaftler zitierte, der den derzeitigen Zustand unserer geliebten Hauptstadt treffend mit postkolonialen Strukturen erklärte:
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Haiku der Woche

Sanftes Sonnenlicht

Welch herrlicher Morgengruß

Rezession ist fort

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Haiku der Woche

Licht wird Dunkelheit

Knastgeruch statt Penthouseduft

Sonnenwende – ach!

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