Kursmonauten 2010

Zu Beginn der zweiten Dekade des dritten Jahrtausends unserer Zeitrechnung herrscht unter Kursmonauten rund um den Erdball eine nachdenkliche Stimmung. Die Menschheit beschäftigt sich vornehmlich mit sich selbst: Der alte Entdeckergeist scheint erloschen.

Noch immer stehen regulatorische Fragen die Finanzmärkte betreffend ungelöst im Weg. Die Erdenkugel erscheint aufsichtsrechtlich zersplittert wie der “Flickenteppich” deutschen Kleinststaaten vor dem Wiener Kongress von 1814/15. Noch gibt es kein Ziel, keinen Plan, keine Vision.

Anstatt nach vorne zu drängen, drohen die “besten Köpfe” in Politik und Märkten alte Fehler zu wiederholen. Wie erfrischend wirkt da ein Blick zurück ins Jahr 1965, als die Erforschung der unermesslichen Weiten wichtiger war als Wohl und Wehe einiger Finanzkonzerne?

Im Juni jenen Jahres sorgte sich Ed White am Himmel über Hawaii hauptsächlich um die Funktionsfähigkeit seiner Kamera, bevor er als erster Amerikaner die Sicherheit eines Raumschiffes aufgab, um im Auftrag der Nasa eine neuartige Düsenpistole zu testen.

Ed White wagt sich wohl vorbereitet ins Ungewisse, um neue Fähigkeiten zu erlernen. Was testet die Menschheit heute?

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Mit Videos gegen die Kreditklemme

Die Bundesregierung will die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Eine flankierende Maßnahme der umfassenden Strategie scheint die jüngste Videobotschaft der Bundeskanzlerin zu sein. Ob dieser Auftritt die gewünschte Durchschlags- und Überzeugungskraft hat, muss an dieser Stelle leider in Zweifel gezogen werden.

Ich empfehle daher, sich in Sachen Videobotschaft bei ausgewiesenen Experten Rat und Anregung zu holen. Auf keinen Fall hier, sondern beispielsweise hier oder hier.

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Bild fragt – wir antworten

Die “Bild” fragt heute “Haben wir die Krise schon gepackt?” und weist auf ausbleibende Massenarbeitlosigkeit, ein Ende der Kurzarbeit bei BMW und 1,8 Millionen neue Jobs im Export hin.  Wir fragen uns, welche der vielen Krisen die Zeitung meint, merken, dass die Antwort auf alle Krisen passt und antworten mit “N-E-I-N!”

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Gelbes Schummeln

Maßgebliche Teile der Bundesregierung – vor allem gelbe – sehen sich schriller Kritik ausgesetzt. Wird ihnen doch voreilig vorgeworfen, in Sachen Steuern zu schummeln und entgegen der ökonomischen Vernunft zu handeln. “Gemach, liebe Leute”, rufen Kursmonauten und fuchteln mit dem Zeigefinger. Denn Schummeln ist unbestritten ein grundlegender ökonomischer Antrieb. Es gilt schließlich, mehr für weniger zu bekommen.

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Chinesische Lösung

Wie in China ökonomisches Denken aussieht, wird nun wieder einmal eindrucksvoll vorgeführt. In einer Stadt Zentralchinas leiden etwa 1000 Kinder an einer Bleivergiftung; Verursacher sind drei große Metallwerke. Konsequenterweise werden nun etwa 15.000 Menschen umgesiedelt, die Kosten werden auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt. Die Fabriken dürfen bleiben.

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Steuern runter, Einnahmen rauf!

Die Wirtschaftsweisen heben mahnend die Zeigefinger, doch die FDP gibt sich unbeirrt. Sie hält an ihrem vollmundigen Versprechen fest, die Steuern trotz eines Milliardendefizits zu senken. Die Jungs denken offenbar wirklich, dass sinkende Steuern die Einnahmen des Staates erhöhen. Nun denn, auf gutes Gelingen.

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Franz Kafka International Airport

Kursmonauten reisen bekanntlich gerne. Für unvergessliche Erlebnisse sorgen dabei zweifelsohne die Aufenthalte auf Flughäfen. Wir sind ihretwegen dankenswerterweise voll von Bildern, Emotionen und Erfahrungen, die uns prägen und uns lange begleiten.

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Zauberkiste Wachstum

Eigentlich ist alles ganz einfach. Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier rechnen es während ihres “Rededuells” vor laufender Kamera vor: Steuersenkungen sind möglich. Es scheint alles nur eine Frage des Wachstums zu sein! Ach so. Na dann?

Wachstum schafft Arbeit“, fasst Merkel ihren Ansatz zusammen. “Schön und gut“, findet das Steinmeier ganz klassisch. Zweifel packen ihn dann aber doch angesichts der geplanten Ausmaße. Seinen Worten zufolge verspricht die Union Steuersenkungen in Höhe von 20 bis 30 Mrd. Euro. Die FDP werbe sogar mit 80 bis 90 Mrd. Euro, sagt zumindest Steinmeier. Im Fall einer schwarz-gelben Koalition käme die neue Bundesregierung vielleicht auf einen Steuernachlass in Höhe von 50 Mrd. Euro, peilt er über den Daumen. Und, jetzt kommts: “Dafür brauchen sie pro Jahr ein Wachstum von neun Prozent. So ein Wachstum hatten wir in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik nicht!” Immerhin, schöne Attacke. Technikpunkt für den Herausforderer. Doch wie hat er das nur errechnet?

Aber, abgesehen davon: Wenn schon das TV-Duell so zahnlos und ereignisarm bleiben musste, bleibt ja wenigestens noch ein bisschen Hoffnung für den Abend nach der Wahl. Da war zumindest vor vier Jahren einiges los. Kein Vergleich allerdings mit dem Wahlkamp anno 1980.

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Ackermann als Prophet

Josef Ackermann,  seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, blickt in die Glaskugel oder auf Zahlenkolonnen und stellt fest: Er sehe Licht am Ende des Tunnels, die Branche habe das Gröbste der Finanzkrise überstanden. Wird jetzt alles wieder gut? Nun ja, wohl nicht. Denn freundlicherweise weist Ackermann zugleich darauf hin, dass er das gleiche kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers gesagt habe.  Also: Ab in Deckung.

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Willkommen zurück

Applaus! Infineon ist bald wieder im Dax, am 21. September ist es soweit. Und dabei habe ich doch tatsächlich gedacht, die Papiere werden irgendwann irgendwohin verschwinden, sich geradezu auflösen. Zur Erinnerung: Als Infineon den Index im März verlassen musste, lag der Kurs bei schmählichen 43 Cent. Neun Jahre zuvor, zu Zeiten der New Economy, hatten die Aktien beim Börsenstart noch satte 62,33 Euro gekostet. Dieser legendäre Absturz von immerhin 99 Prozent war wohl ein Versehen, kostet die Aktie derzeit doch stolze 3,60 Euro.

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